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Die ewig Vorgestrigen

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Endlich sind Zeitreisen möglich! Zu dieser unglaublichen Neuerung konnte eigentlich nur einer befähigt sein. Einer, der Kraft seines Amtes und seiner Person näher am großen Weltbeweger dran ist als wir Sterblichen – der Papst. Mit der Wiederaufnahme einiger extrem reaktionärer Bischöfe in die katholische Kirche macht er es möglich: Die Ideale längst (und zu Recht) vergangener Zeiten leben wieder auf. Messe auf Latein? Bittesehr. Juden als Ziel von Bekehrung? Gerne doch. Christen als Leugner des Holocaust? Sofort.

Ich glaubte stets, die Einheit der Gemeinde sei den Katholiken ein hohes Gut. Nun muss man damit leben, dass der oberste Hirte die Herde ins Gestern führt. Oder ins Vorgestern. Rückwärts jedenfalls. Mehrere Ideen hätte ich, warum das passiert:

  • Die Kirche will sich endlich zu einer demokratischen Institution wandeln und setzt deshalb ein besonders kontroverses Thema auf die Agenda. Die Unfehlbarkeit des Papstes kommt durch Anscheinsbeweis zu Fall, die Gläubigen selbst befinden in kollektiver Weisheit über den künftigen Kurs der Mutter Kirche.
  • Der Papst befürchtet die Überfremdung der Kirche durch rasante Vermehrung der Katholiken in Entwicklungsländern. Die Verharmlosung des Genozids im Dritten Reich ist eine subtile Drohung,  sich still und unauffällig zu verhalten.
  • Der katholische Glaube soll unser festes moralisches Fundament sein, wenn in Kürze der Kampf der Kulturen auf der Straße ausgetragen wird und wir uns gegen Heerscharen radikaler Muselmanen zur Wehr setzen müssen. Der Papst erinnert uns an Zeiten nationaler Stärke, um für den Endkampf “Gut gegen Böse” a.k.a. “Christen gegen Moslems” gerüstet zu sein.
  • Der Papst ist ein seniler alter Tattergreis, dessen rasch fortschreitende Demenz in keinem Verhältnis zu seiner Position und seinem Einfluss steht. Sofort zurücktreten und einem geistesklaren Nachfolger Platz machen!

Die Wahl zwischen diesen Alternativen überlasse ich dem Leser, und dienötigen Schritte mögen die Gläubigen selbst ergreifen. Für Zweifelnde und Zögerliche lohnt vielleicht der Blick auf andere Institutionen, die von Umnachtung befallen, Opfer der eigenen Unfähigkeit wurden: Das Amt für Staatssicherheit der DDR löste sich rechtzeitig selbst auf, um seinen Mitarbeitern gerade noch ein Untertauchen in der Zivilgesellschaft zu ermöglichen. Nur Mut, in ein paar Jahren fragt niemand mehr, ob dieser oder jener früher mal Katholik war!

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 04. Februar 2009 um 12:46 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Ideologie und Religion abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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