Endlich sind Zeitreisen möglich! Zu dieser unglaublichen Neuerung konnte eigentlich nur einer befähigt sein. Einer, der Kraft seines Amtes und seiner Person näher am großen Weltbeweger dran ist als wir Sterblichen – der Papst. Mit der Wiederaufnahme einiger extrem reaktionärer Bischöfe in die katholische Kirche macht er es möglich: Die Ideale längst (und zu Recht) vergangener Zeiten leben wieder auf. Messe auf Latein? Bittesehr. Juden als Ziel von Bekehrung? Gerne doch. Christen als Leugner des Holocaust? Sofort.
Ich glaubte stets, die Einheit der Gemeinde sei den Katholiken ein hohes Gut. Nun muss man damit leben, dass der oberste Hirte die Herde ins Gestern führt. Oder ins Vorgestern. Rückwärts jedenfalls. Mehrere Ideen hätte ich, warum das passiert:
Die Wahl zwischen diesen Alternativen überlasse ich dem Leser, und dienötigen Schritte mögen die Gläubigen selbst ergreifen. Für Zweifelnde und Zögerliche lohnt vielleicht der Blick auf andere Institutionen, die von Umnachtung befallen, Opfer der eigenen Unfähigkeit wurden: Das Amt für Staatssicherheit der DDR löste sich rechtzeitig selbst auf, um seinen Mitarbeitern gerade noch ein Untertauchen in der Zivilgesellschaft zu ermöglichen. Nur Mut, in ein paar Jahren fragt niemand mehr, ob dieser oder jener früher mal Katholik war!
« Lehrerstreik in Sachsen – Bürgerlicher Salonjournalismus »
Noch keine Kommentare