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Fundamentalistische Seelenfängerei I

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Der aufgeklärte Mensch der Neuzeit hat ein geordnetes Verhältnis zur Realität. Mit den Widersprüchen zwischen Wissenschaft und Religion kann er umgehen, ohne endgültige Antworten finden zu müssen. Er versteht widersprechende Welterklärungsmodelle aus ihrer Geschichte heraus und schätzt die Meinungs- und Glaubensfreiheit als ein teuer erkämpftes Gut, als Kern der persönlichen Freiheit. Er billigt das individuelle Streben nach Glück, solange andere Individuen dadurch nicht beeinträchtigt werden. Aus der Geschichte heraus weiß er auch, dass dogmatische Wahrheit und autokratische Herrschaftsansprüche zu verabscheuen sind, weil sie die Freiheit einschränken und eine gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft behindern.

Soweit zur Theorie.

Gerade werden die Errungenschaften der Aufklärung von den Ideologien christlicher Kirchen und Sekten verschlungen. Doch es ist nicht mehr der Jahrmarkt der Religionen, auf dem man sich ungestört umsieht. Besonders fundamentalistische Gruppen unterwandern die Gesellschaft, geben sich sozial engagiert und friedfertig, und greifen doch nach den Seelen und nach der Macht. Dabei beschränken sie sich nicht auf Angebote an mündige Erwachsene. Sie verteilen Süßigkeiten auf Schulhöfen und bieten Freizeitprogramme für Kinder in Problemvierteln. Es werden sogar eigene Kindergärten gegründet, besser ausgestattet und genauso günstig wie städtische Einrichtungen, um frühestmöglichen Zugriff auf die Seelen zu haben. Das nenne ich Seelenfängerei.

Aus ihrem persönlichen Glauben leiten diese Menschen ab, andere bekehren zu müssen. Sie berufen sich auf den Missionsbefehl des Mattäus-Evangeliums, bedienen sich zur effizienten Umsetzung desselben aber ganz weltlicher Mittel. Wer jetzt bereits an die seltsamen Auswüchse von Religiosität in den USA denkt, ist durchaus auf dem richtigen Weg. Insbesondere protestantische Freikirchen, die der evangelikalen Richtung zuzurechnen sind, schulen ihre Führungskräfte dort und unterstehen vielfach amerikanischen Dachorganisationen.

Ich will in den nächsten Wochen versuchen, Strukturen und Hintergründe der evangelikalen Gruppen zu beleuchten und mich kritisch mit ihrer Tätigkeit hier in Dresden auseinanderzusetzen.

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 11. Februar 2009 um 12:39 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Ideologie und Religion abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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