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gnadenlos respektlos.

Glücksfall Finanzkrise

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These: Die negativen Auswirkungen der Finanzkrise sind in der öffentlichen Meinung überrepräsentiert. Tonangebend sind hierzulande bürgerliche Medien, wozu auch immer sie sich selbst bekennen mögen. Es gibt kein Massenmedium der Arbeiterklasse. In die anklingende Verachtung mischt sich nun dezente Schadenfreude, denn die bürgerliche Zielgruppe hat anlässlich der Finanzkrise ihre Schäfchen nicht ins Trockene, sondern geradewegs zum Abdecker gebracht. Nun ist das Theater groß. Man tut überrascht, dass die jahrelange Völlerei nun plötzlich zum Herzinfarkt führte.

Deshalb sollen die positiven Auswirkungen der Krise nicht unberücksichtigt bleiben:

  • Es herrscht Gerechtigkeit. Nicht länger heißt es: “Wer hat, dem wird gegeben.” Sondern: “Wer hat, dem wird genommen.” Egalitarismus dieser Art findet meine volle Zustimmung.
  • Gutes tun zum Nulltarif: Wie können wir es uns eigentlich erlauben, einen 500 Milliarden Euro großen Rettungsschirm zu spannen, bei der aktuellen Verschuldung (über 1,5 Billionen Euro)? Da die in die Bredouille geratenen Geschäftsbanken Hauptgläubiger unserer Staatsverschuldung sind, können wir denen sowieso das Blaue vom Himmel versprechen: Entweder müssen wir uns das Rettungspaket von ihnen selbst borgen, oder wir machen Auslandsschulden und zahlen damit Staatsschulden im Inland zurück. Beides bleibt für den Bundeshaushalt ein Nullsummenspiel, das die ganzen Sorgenfalten der Politiker und Experten nicht rechtfertigt.
  • Die Lasten des Aufbaus Ost werden durch den Abbau West gemindert. Die versprochene Angleichung des Lebensniveaus in Ost und West könnte schneller als gedacht eintreten, wenngleich auf überraschende Weise. Die rasante Balkanisierung westdeutscher Industriestandorte bringt uns näher zusammen und schon bald können wir gemeinsam ins deutsche Klagelied einstimmen.

Sogar ein Abbau der Staatsverschuldung erscheint dank der Krise möglich. Werden Banken verstaatlicht (sicher die HRE, möglicherweise auch die Commerzbank), kommt der Staat auch in den Genuss der Aktiva, inklusive der Forderungen gegen die Bund, Länder und Gemeinden. Einige Milliarden sollten sich so ausbuchen lassen.

Bleibt nur die Frage zu klären, was mit den ganzen faulen Wertpapieren passieren soll, derentwegen die Geldinstitute das Zeitliche segnen. Auch dafür habe ich schon eine Idee: Wie wärs mit einer Versteigerung an private Investoren? Da lässt sich gewiss mehr erlösen, als wenn man die Papiere wieder auf den dahinsiechenden internationalen Kapitalmarkt wirft.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 10. Februar 2009 um 13:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie große weite Welt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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