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gnadenlos respektlos.

Lehrerstreik in Sachsen

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Ach, diese Ärmsten! Man hat ja Mitleid mit den Streikenden. Im Allgemeinen. Bedrohte Arbeitsplätze, Hungerlohn, Ausbeutung. Wenn der Kapitalismus seine grässlichste Fratze zeigt, dann ruft der aufgeklärte Arbeitnehmer von heute zum Streik. So auch die Lehrer, die auf ihr elendes Dasein dieser Tage aufmerksam machen wollen.

Ich kann gut verstehen, dass es an der Arbeit des Lehrers einiges auszusetzen gibt. Die Schulen sind – zumal im Osten – schäbigst ausgestattet. Das Inventar stammt zur Hälfte aus DDR-, zur anderen Hälfte aus Vorkriegszeiten. Düster und trist umfängt das Schulhaus den Besucher. Gänzlich unbeeindruckt davon brüllen unerzogene Bälger durchs Areal. Wer wollte so seinen Alltag fristen? Da können die knapp 4000 Euro, mit denen man ausgebildete DDR-Lehrer mindestens abspeist, kaum ein Trost sein. Nun sollen geringe Klassenstärken auch noch Anlass sein, Schulen zu schließen. Unverschämt, droht dem Pädagogen doch nun ein verlängerter Arbeitsweg von 20 oder 30 Minuten. Und am Ende bedroht man die überarbeitete Geisteselite noch mit verkürzter Arbeitszeit. Eine wahre Unverfrorenheit, zumal man die geliebte Lebensaufgabe schon andauernd wegen dieser Schulferien ruhen lassen muss.

Ich kann mir kaum ausmalen, wie öde und bedrückend die Arbeit eines Lehrers sein muss. Daher haben die Streikenden meine volle Unterstützung. Sogar bin ich geneigt zu sagen: Unbefristeter Ausstand, sofort! Das bisschen Unterricht mache ich selbst zu Hause besser. Und dank der schlechten Arbeitsmarktlage für Akademiker im Osten habe ich sowieso gerade nichts anderes zu tun. (Ja, ich weiß: Es gibt wenige arbeitslose Akademiker in Sachsen. Warum? Weil alle arbeitslosen in den Westen gehen. Das bringt Arbeit, Geld und eine saubere Statistik.)

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 03. Februar 2009 um 15:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Leben in der Zone abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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