Es ist mal wieder so weit: Das Schicksal klopft an meine Tür und hält neue Aufgaben für mich parat. Wie aktuell den Medien zu entnehmen ist, wurde der Waffenhändler (“Waffenlobbyist”) Karlheinz Schreiber nach Deutschland ausgeliefert und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Da wundere ich mich: Kann man einfach so auf seinen Waffenhändler Nummer 1 verzichten? Wer soll nun deutsches Kriegsgerät weltweit an den Diktator bringen? Womit sollen denn die afrikanische Zivilbevölkerung hingemeuchelt, manche asiatische Widerstandsbewegung niedergerungen, dieser und jener Konflikt befeuert werden? Die Personaldecke in der Waffenhändler-Branche ist dünn, es muss Ersatz für Schreiber gefunden werden. Jetzt. Sofort. Ich bin bereit.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, verehrte Damen und Herren,
wie ich den Medien entnehme, ist aktuell die Position eines Waffenhändlers vakant. Ich nehme dies zum Anlass, mich auf diese Stelle zu bewerben.
Persönlich fühle ich mich sowohl berufen als auch befähigt, diese ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen und wünsche mir die Möglichkeit, meine Fähigkeiten ganz dem Waffenhandel zu widmen. Über die erforderlichen Qualifikationen verfüge ich und erlaube mir, kurz einige Eckdaten anzusprechen, die Sie gewiss von meiner Eignung für diese Stelle überzeugen werden.
Bereits im Kindesalter war ich von eisernem Gerechtigkeitswillen getrieben und setzte mich vehement für die Verteidigung der Freiheit ein. Es leuchtete mir unmittelbar ein, dass allein großzügige Bewaffnung diese beiden Ziele zu erlangen geeignet war. Ich fertigte hölzerne Hieb-, Stich- und Wurfwaffen an und rüstete auch meine Freunde damit aus. Es ist wohl diesem strategischen Streben zu danken, dass uns ernsthafte Auseinandersetzungen erspart geblieben sind.
Als sich später, im Jugendalter, mein Blick auf die realen Gegebenheiten der Weltpolitik richtete, sah ich, dass auch im globalen Maßstab langfristige Sicherheit nur duch Waffen zu erreichen war. Sie ermöglichten es, Feinde zu bekämpfen und abzuschrecken und gewährleisten so erst ein friedliches Gedeihen und Erblühen nationalen und individuellen Daseins. Kurzzeitige Irritationen durch pazifistisches Gedankengut konnte ich rasch überwinden und distanziere mich heute aufs schärfste von diesen Fehleinschätzungen.
Mittlerweile habe ich das Alter von 36 Jahren erreicht und einen differenzierten Blick auf internationale Konflikte, Machtverhältnisse und Kräftegleichgewichte gewonnen. Allgegenwärtig ist die Bedrohnung der Freiheit durch Schurkenstaaten sowie Machthaber mit menschenverachtenden und feindseligen Ansichten. Einerseits sehe ich die Notwendigkeit, unsere friedliche Gesellschaft vor diesen Kräften zu schützen und auch unsere Verbündeten vor ihnen zu bewahren. Andererseits soll von unserem Schutz auch keine Bedrohung ausgehen, und so ist die Stabilisierung der Mächtebalance dringend geboten. Alle Parteien müssen über Möglichkeiten des Selbstschutzes und auch des vorbeugenden Agierens verfügen.
In diesem Spannungsfeld sehe ich meine Aufgabe als Waffenhändler: Globale Verhältnisse zu verstehen und stabilisieren zu helfen. Dabei sollten nationale Interessen, insbesondere unserer Wirtschaft, im internationalen Maßstab zur Geltung gebracht werden.
Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und dem Aufflammen extremistischer Ideologien sehe ich im Waffenhandel die Chance, zu einem gedeihlichen und friedlichen Miteinander beitragen zu können. Dieser Aufgabe möchte ich mich widmen und so Politik und Wirtschaft mit meiner persönlichen Note versehen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie meiner Bewerbung wohlgesonnen gegenüber stehen und sehe Ihrer diesbezüglichen Antwort mit Freude entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
Ich erwarte in diesen Stunden die positive Antwort unserer Regierung. Meine Leser halte ich natürlich auf dem Laufenden.
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