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gnadenlos respektlos.

Das Ende ist nah

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Die ehrwürdige römisch-katholische Kirche steht im Licht des öffentlichen Interesses. Leider nicht so, wie man sich das dort gedacht hätte. Stattdessen wird ihr – mal wieder – die Maske der betulichen Menschenfreundlichkeit heruntergerissen, und hervor scheint die Fratze menschlicher Abgründe. Fast möchte man wieder die Mär von der Fehlbarkeit des Einzelnen hervorkramen, aber nein: Flächendeckend und systematisch haben sich katholische Würdenträger an kleinen Kindern, vor allem Jungen, vergangen. Über so lange Zeit und hinweg über organisatorische Grenzen erstreckt sich der Missbrauchsskandal, dass man gar nicht anders mehr denken kann als: Die Ursache dieses Verhängnisses liegt nicht im Menschlichen, sondern im Wesen der Kirche selbst begründet. Ihr Selbstverständnis und ihre Regeln haben hundert-, vielleicht tausendfachen Kindesmissbrauch erst ermöglicht.

Diese Epoche, die Menschen- und Kinderrechte wie kein Zeitalter zuvor in den Diskurs gebracht hat, zeigt abermals eine der wichtigsten gesellschaftlichen Kräfte massiv im Abseits. Und das ist in der römisch-katholischen Kirche gute Tradition. Als im Frühmittelalter die Wissenschaften aufstrebten, berief sich die mächtige Kirche auf ihr Dogma und ließ die Aufklärer hinrichten. Später behinderte sie die Entwicklung einer rationalen Gesellschaft durch absurde Hexenprozesse, denen selbst Kinder zum Opfer fielen. Stets stand die Kirche auf der Seite der Mächtigen und diente sich ihnen als Instrument für Verfolgung und Unterdrückung an, bis hin zum Holocaust, gegen den sich die römische Kurie nicht zu einer klaren Ablehnung durchringen konnte. Man sieht: Durch alle Jahrhunderte ihrer Existenz hat die Kirche stets gesellschaftlichen Fortschritt zu verhindert gesucht, sich mit Unterdrückern und Rückständigen gemein gemacht und war selbst nie in der Lage, sich ihrer eigenen Vergangenheit kritisch zu stellen. Insofern ist der aktuelle Skandal nur die folgerichtige Fortsetzung katholischer Untaten.

Abermals hat die Kirche es verpasst, das Mensch-Sein ihrer eigenen Priester anzuerkennen. Sie zwingt ihnen die Verleugnung ihrer eigenen Natur auf, weil angeblich das allein zur wahren Gottesliebe führe. Kein noch so geringer Zweifel rührt sich, ob Gott dies alles so gewollt haben könnte, denn es geschieht ja, und bis heute hat sich die würdige Instanz des Glaubens erhalten. Jahrhunderte von Verfolgung, Demütigung, Entrechtung, Mord, Vertreibung, Quälerei, Missachtung und Missbrauch ließen niemals die Sorge keimen, ob man auf dem richtigen Weg sei. In gewisser Weise ringt mir diese Konsequenz Bewunderung ab.

Nun wird die Frage diskutiert: Ist das Ehelosigkeitsgebot für katholische Priester noch zeitgemäß, vielleicht sogar mit schuld am Desaster? Aber nein, tönt es unisono aus dem Vatikan und den deutschen Bistümern. Natürlich müsse man mit aller Entschiedenheit aufklären und entschädigen, aber wohin das für die Betroffenen führt, scheint sich keiner zu fragen. Sollen die Priester bei ihren ehemaligen Zöglingen um Entschuldigung bitten für deren Missbrauch? Soll die Kirche sich entschuldigen, dass sie Kinderschänder jahrzehntelang protegiert hat? Soll eine Richtungsdiskussion stattfinden, welchen Weg die Mutter Kirche gehen soll? In meinen Augen kann es nur eine Lösung geben: Zieht endlich einen Schlussstrich unter Jahrhunderte des Elends, und wickelt diesen Laden ab. Für nichts ist er mehr gut, was sich nicht weltlich organisieren ließe. Alle Aufgaben, die die Kirche in ihrer Geschichte wahrgenommen hat, sind an andere Träger delegiert worden: Die Errichtung und Leitung von Staatsgebilden übernehmen Regierungen, die Mächtigen werden durch Wahlen bestimmt, die Ausbildung erfolgt in der Schule, die Sorge für Arme und Benachteiligte haben Sozialbehörden und Vereine. Allein das Seelenheil verkündet die Kirche im Monopol, doch das Fernsehen steht schon bereit, das Erbe anzutreten.

Ihr letztes Stückchen Daseinsrechtfertigung hat die Kirche mit dem jüngsten Skandal verspielt. Vielleicht gibts ja wirklich ein Leben nach dem Tod. Ich fürchte nur, im Jenseits wird sich die Begeisterung in Grenzen halten – dort, wo die Opfer warten.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 09. März 2010 um 15:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Ideologie und Religion abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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